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Geschichte

Als das Weggiser Strandbad noch „Schandbad“ genannt wurdeWeggiser Strandbad

Am 7. Juni 1919 wurde in Weggis das erste gemischte Strandbad der Schweiz eröffnet. Die Geschichte des Lidos ist im Weggiser Lesebuch „Cheschtene und Fiige“, 1993, nachzulesen. Hier eine Zusammenfassung:

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg rief in Weggis die Idee eines Strandbades wach, nachdem bereits im Jahre 1905 eine erste Anregung zum Bau einer grossen Badeanstalt gemacht worden war. Auf Initiative des damaligen Hotelbesitzers, Politikers, Majors und Theaterautors Andreas Zimmermann schenkte sich der Kurverein zum 25jährigen Bestehen diese neue Attraktion. «Zu einem modernen See-Kurort gehören nicht nur schattige Promenaden, schmucke Quais, Spazierwege, Aussichtspunkte, Schiff- und Ruderfahrten und Musikunterhaltungen, sondern auch in erster Linie Seebäder!» schrieb ein Initiativkomitee in einer Eingabe an den Kurverein zuhanden einer ausserordentlichen Generalversammlung im Jahr 1919. Die bisherigen Badeeinrichtungen am See seien veraltet und nicht einladend, argumentierte das Komitee. Die Idee fand Anklang, die Versammlung beschloss einmütig das Eintreten auf die Vorlage. Nicht von Anfang an gelöst war jedoch die Platzfrage, es rivalisierten sich das Ober- und das Unterdorf. In einer geheimen Abstimmung entschloss man sich schliesslich mit grossem Mehr für das Unterdorf.

Die Kosten

Das mutige Unternehmen erforderte damals eine Summe von 70'642 Franken, der grösste Posten dabei waren die Zimmermannsarbeiten in der Höhe von 42'955.65 Franken. Architekt war der Luzerner Carl Griot. Sein Honorar belief sich auf 1173.50 Franken. Einige weitere Zahlen: Eine Bademütze kostete 5.25 Franken, ein Gartenstuhl («amerikanisch») 8 Franken, ein Reisbesen mit Stiel 2 Franken, ein junger Birkenbaum 5 Franken, eine Maurerstunde wurde mit 1.60 Franken, eine Badeaufsichtsstunde mit 60 Rappen berechnet. Den Rechnungen ist auch zu entnehmen, dass Brückenwart Hofmann für einen Stundenlohn von 1.50 Franken «die Arbeiten der Internierten am Strandbad beaufsichtigt, vom 19. Februar bis zum 7. Mai 1919». Die Finanzierung wurde gesichert durch das Zeichnen von Anteilscheinen, und wer am Anfang noch Zweifel am Bedürfnis einer solchen Anlage hegte, wurde durch die Besucherzahlen eines besseren belehrt: Noch im ersten Betriebsjahr besuchten 31'596 Personen das Strandbad Weggis.

Vom Strandbad zum Schandbad

Der Erfolg des Bades rief bald die ersten Neider auf den Plan. In einer Chronik des Kurvereins heisst es: «Nun zog man in der Presse, auf der Strasse und auf der Kanzel über das sittenverderbende Bad los, in allen Tonarten und Stärken. Aus dem Strandbad wurde nun plötzlich ein Schandbad.» - Was war der Grund? Das Weggiser Lido war das erste Strandbad, in welchem die Männer und Frauen nicht abgetrennt in eigenen, voneinander gänzlich abgeschirmten Badeanstalten badeten. Man schwamm einfach im offenen See, welch ein Skandal! - Eine Anekdote illustriert die Folgen des «schändlichen Treibens»: Die Kinder des Waisenhauses in Eggisbühl, Hertenstein, hatten die strikte Anweisung einzuhalten, einen Umweg um das Strandbad zu machen... Aufgrund vieler nachdrücklicher Forderungen verfügte der Regierungsrat des Kantons Luzern einige einschneidende Massnahmen: Alle männlichen Strandbesucher von mehr als 12 Jahren mussten ein brustbedeckendes Badegewand tragen (die weibliche sowieso...) und das Fotografieren wurde strengstens verboten, nachdem in einer «freizügigen» Zeitung das Bild eines nackten, planschenden Dreijährigen veröffentlicht worden war.

Der Erfolg

Nichtsdestotrotz stand das Weggiser Strandbad Pate für viele Folgeprojekte in der ganzen Schweiz. Die Besucherzahlen stiegen sprunghaft, als das Bad 1927/28 vergrössert wurde. Um diese Zeit reiste ein Zürcher Stadtrat namens Häberlin nach Weggis, um die Anlage zu besichtigen. Sie sollte als Vorbild für ein Zürcher Bad dienen. So liessen sich auch die letzten Zweifler bald bekehren. Gut fünfzig Jahre später wurde die Anlage um ein Hallenbad ergänzt, welches am 24. August 1969 feierlich eröffnet werden konnte. 1990 wurden die Weggiser Stimmbürger an die Urne gebeten, um den Kauf des Bades durch die Gemeinde zu genehmigen, da für den Kurverein die finanzielle Belastung untragbar geworden war. Seither ist die Badanlage in Gemeindebesitz.

Eine erste Vorlage zur Sanierung des Hallenbades wurde  von den Stimmbürgern im Juni 1995 abgelehnt. Das Hallenbad blieb deshalb ab 1996 geschlossen. Aufgrund einer Gemeindeinitiative wurde im November 1997 eine zweite Sanierungsvorlage vorgelegt, die von den Stimmbürgern gutgeheissen wurde. Die umfassende Sanierung konnte in Angriff genommen werden. Seit August 1998 erfreut sich das neu revidierte Hallenbad einer grossen Beliebtheit und ist ganzjährig geöffnet.